Veränderungen steuern

Die Berner Elternschule bereitet Paare auf das Familienleben vor und begleitet sie auf ihrem Weg

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr – die Initiantinnen der Elternschule setzen diesem Sprichwort Aufklärung entgegen. Sie bieten angehenden und frischgebackenen Eltern Informationen zur neuen Lebensphase, damit der Einstieg in die Familie etwas leichter fällt. NICOLE JEGERLEHNER «Das kann man doch einfach.» Diese Reaktion auf die Elternschule ist Katrin Schmidt und Rita Messmer bekannt. Und doch sind beide überzeugt, dass Elternsein nicht einfach ist – und dass es gelernt werden kann. Eine neue Lebensphase «Wir möchten, dass die Paare die Veränderungen in ihrem Leben steuern können und nicht Jahre später, wenn es schon fast zu spät ist, in die Paartherapie müssen », sagt Katrin Schmidt, die Initiantin der Elternschule. Als Hebamme habe sie die Paare auch nach der Geburt erlebt; dabei habe sie oft gesehen, dass die Situation für die frischgebackenen Mütter und Väter nicht immer einfach sei, «weil Informationen über die neue Lebensphase fehlen». An der Elternschule erfahren angehende Mütter und Väter, wie sie mit ihren Säuglingen umgehen sollten, dass Frauen nach der Geburt nicht einfach immer glücklich sind, und Väter können sich mit anderen Vätern über ihre neue Rolle austauschen. Erziehungskurse vor der Geburt Die Elternschule, die vor zwei Jahren von privaten Initiantinnen gegründet worden ist, unterscheidet sich von anderen Angeboten im Kanton Bern vor allem dadurch, dass Erziehungsfragen bereits während der Schwangerschaft angegangen werden: «Dann sind die Eltern noch aufnahmefähig», sagt Schmidt. Sei das Kind einmal da, seien die Paare absorbiert durch das Familienleben und das Bewältigen des Alltags. Zudem bietet die Elternschule Kurse zu allen möglichen Themen: Erziehung wird genauso angesprochen wie die Entwicklung der Paarbeziehung, Geburtsvorbereitung und Rückbildungsgymnastik gibts ebenso wie Vätertreffs, und der Kurs über die Babymassage hat ebenso Platz wie ein Vortrag über die Entwicklung des Säuglings und des Kleinkindes. «In Situation hineinschlittern» Die Buchautorin und Cranio- Sacral-Therapeutin Rita Messmer hält für die Elternschule Erziehungskurse ab. Sie stellt fest, dass Paare nach der Geburt des ersten Kindes oft «in eine Situation hineinschlittern, die sie gar nicht wollten »: Weil die Frau zu Beginn das Kind stillt und im Mutterschaftsurlaub zahlreiche Haushaltsaufgaben übernimmt, festigen sich Strukturen, die das Paar eigentlich vermeiden wollte. Die Elternschule hilft hier mit einem Kursmodul vor und einem vier bis sechs Monate nach der Geburt, in denen die Eltern ihre Rollen, ihre Bedürfnisse und Wünsche thematisieren. «Es ist erstaunlich, wie viel dabei in Gang gesetzt wird», sagt Katrin Schmidt. Seit Anfang Jahr hält die Elternschule jeweils am ersten Freitag im Monat Vorträge an der Klinik Engeried in Bern ab. Die Vorträge sind kostenlos – sie werden von der Klinik finanziert – und stehen auch angehenden Eltern offen, die nicht im Engeriedspital gebären werden. Die Ankoppelung an die Geburtsklinik bedeutet für die Elternschule einen grossen Schritt vorwärts, da sie so gegen aussen mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit erhält. Viel Herzblut Die Schule wird künftig als Gesellschaft mit beschränkter Haftung organisiert; angestellt wird dann Katrin Schmidt, die bisher vor allem viel Herzblut in die neue Schule gesteckt hat: «Leben kann ich davon bisher nicht.» [@] www.elternschule.ch

Der Bund
18. April 2007
Nicole Jegerlehner