Eltern, seht die Signale

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um das Kind von den Windeln zu entwöhnen? Soll man ihm Zeit lassen oder bestimmte Verhaltensweisen als Zeichen werten und schon Säuglinge auf die Toilette bringen? Am Thema "Sauber werden" scheiden sich die Geister.

Eltern, seht die Signale Wann ist der richtige Zeitpunkt, um das Kind von den Windeln zu entwöhnen? Soll man ihm Zeit lassen oder bestimmte Verhaltensweisen als Zeichen werten und schon Säuglinge auf die Toilette bringen? Am Thema "Sauber werden" scheiden sich die Geister. Geduldig wechseln Eltern monatelang Windeln, schleppen Sonderaktionspakete, reisen mit riesigen Taschen und entwickeln eine gewisse Virtuosität darin, an den eigentümlichsten Orten den Po des Nachwuchses trockenzulegen. Doch irgendwann kommt bei allen Müttern und Vätern die Frage auf, wann das Ganze ein Ende hat und man auf Windel, Waschlappen, Feuchttuch und Co verzichten kann. Auf diese Frage gibt es widersprüchliche Antworten. «Eltern sind mit der Sauberkeitserziehung viel zu spät dran», findet beispielsweise Rita Messmer, die in Kursen und in Büchern eine ungewöhnliche Theorie verbreitet. Bereits kurz nach der Niederkunft sollten sich frischgebackene Mütter und Väter mit dem Trockenwerden ihres Babys auseinandersetzen, sagt die 53-jährige Mutter von drei Kindern aus Düdingen FR. Bei Neugeborenen – so Rita Messmer – gebe es eine «sensible Phase», die von der Geburt weg bis ungefähr ins Alter von drei Monaten dauere. Die Natur habe in ihrem Bauplan vorgesehen, dass jedes Kind innerhalb dieses Zeitfensters den Entwicklungsschritt des Trockenwerdens vollziehen könne. Würden entsprechende Signale des Säuglings wahrgenommen und stimuliert, so sei das Gehirn in dieser «sensiblen Phase» in der Lage, die nötigen Vernetzungen vorzunehmen. «Babys wollen nicht in die Windeln machen; es ist für sie unangenehm, im eigenen Dreck zu liegen», sagt Rita Messmer. Bestätigt werde dies durch die Beobachtung vieler Eltern, dass das Baby erst dann uriniere, wenn sie die Windeln geöffnet hätten. Jeder Säugling signalisiere zudem, wenn er «müsse». Er werde unruhig, beginne vielleicht zu weinen, «und im nächsten Moment fliesst es». In ihren Kursen leitet sie Eltern dazu an, diese Signale zu deuten, mit den Babys zu kommunizieren und sie dann über eine Schüssel oder über die Toilette zu halten, wo sie dann ihr Geschäft erledigen sollen. «Kinder, die schon sehr früh auf diese Weise zum Trockenwerden motiviert worden sind, gehen selber auf den Topf oder aufs WC, sobald sie laufen können.» Die anderen müssten den Entwicklungsschritt nachher mühsam übers Bewusstsein nachvollziehen, was oft mit Komplikationen und Frustrationen verbunden sei. «Mit meiner Methode spart man viele Windeln und viel Energie», resümiert sie. Eltern, die das ausprobieren möchten, empfiehlt sie allerdings, ihr Kind bei Ausflügen dennoch vorsichtshalber zu wickeln, um sich selbst nicht in allzu grossen Stress zu versetzen. Der Kinderarzt Remo Largo steht dieser Theorie sehr skeptisch gegenüber. Zwar beschreibt er in seinen Büchern «Babyjahre» und «Kinderjahre» ebenfalls das Phänomen, dass Neugeborene einen kurzen Schrei von sich geben und eine Art Zappelbewegung machen, bevor sie Urin oder Stuhl ausscheiden. Und gleichfalls schildert er, wie Mütter in Afrika und in anderen Ländern der Welt, die ihre Kinder am Körper tragen, durch diese Signale vorgewarnt werden und daraufhin den Säugling weit von ihrem Körper weghalten, um nicht beschmutzt zu werden. Dieses Verhalten bei Neugeborenen verliere sich aber in unserer Kultur schon nach ungefähr drei Wochen, weil wir nicht darauf reagieren. Ob die Kinder in Afrika früher trocken werden als unsere Kinder, wisse man nicht... Mehr zu diesem Thema finden Sie in der aktuellen Ausgabe von wir eltern. Jetzt am Kiosk!

Wir Eltern
1. Mai 2007
Rebekka Häfeli