Babys wurden unterschätzt

kurz und bündig oder alternativ nachgefragt

Artikel (Unter den folgenden Titeln läuft das baz-Kurzinterview) kurz & bündig (oder alternativ) nachgefragt Kinder sinnvoll begleiten RHEINFELDEN. Der Elternverein Rheinfelden hat die Erwachsenenbildnerin und Buchautorin Rita Messmer für einen Vortrag zum Thema «Ihr Baby kann’s» am Montag, 28. Januar, um 20 Uhr im „Treffpunkt“ Hermann-Kellerstrasse 10 (Nähe Migros) eingeladen. Die Präsidentin des Elternvereins Rheinfelden Nicole Seeholzer Koch , verfügt über einschlägige Erfahrungen. baz: Frau Seeholzer, stimmt es Ihrer Meinung nach, dass schon das erste Lebensjahr einen ganz entscheidenden Einfluss darauf hat, wie sich ein Kind später entwickelt? NICOLE SEEHOLZER KOCH: Ja das Kind macht in dieser Zeit einer enorme Entwicklung durch. Dies zeigen auch neuere Hirnforschungsergebnisse. Diese ersten Lebenjahre sind lange Zeit unterschätzt und verkannt worden. Das Baby wurde fälschlicherweise als Wesen das nichts versteht angesehen. Diese Zeit ist eine wichtige Grundlage für die Fähigkeiten und Kenntnisse die ein Baby erwirbt. Frau Messmer schreibt in ihrem Buch von einer «sensiblen Phase», was bedeutet das für Sie in Bezug auf die Kleinkinder? Dies sind bestimmte Monate im Leben eines Baby in dem es ohne grosse Mühe Dinge lernen kann, wie zum Beispiel nicht mehr in die Windeln zu machen. Wird eine solche Phase verpasst, wird es später um ein Vielfaches schwierger das Gleiche zu erlernen. Viele Eltern bremsen ihr Baby, statt es zu fördern, die Meisten merken das gar nicht. Stimmt diese These? Ja, gerade im Bereich der Bewegung wird zum Beispiel sehr viel abgesperrt und das Baby wird nicht begleitet um mit der „gefährlichen„ Treppe umzugehen. Die Neugier des Baby ist natürlich und in seinem Weltentdeckungsdrang wird es jeden Moment nutzen, um wieder an diese Treppe heranzukommen. Von der Seite der Eltern braucht es viel Zeit, das Baby auf der Treppe zu begleiten und mit ihm zusammen zu lernen, was es schon selbst kann und wie es sicherer wird. Das heisst, die Eltern setzen zuerst mehr Zeit ein für die Begleitung und anschliessend erhalten sie diese um ein Vielfaches zurück, durch das selbstständige Können des Treppen steigen oder krabbeln des Babys. Wie reagierten Sie selber als Ihre beiden Töchter noch klein waren und man Ihnen gute Ratschläge erteilte? Unterschiedlich. Bei heftigen Troztanfällen vor den Süsswaren in der Migros, bei denen es manchmal schwierig ist, selbst ruhig zu bleiben, waren die gut gemeinten Ratschläge wenig hilfreich und unterstützend. Inwiefern werden Kleinkinder überfordert? Was haben Sie bei der Erziehung gelernt und beim zweiten Kind anders gemacht? Ich denke das schnelle Tempo in unserer Welt, dem auch ich mich nicht entziehen kann, führt oft zu Hektik im Alltag mit Kleinkindern. Eine Art Freitzeitstress. Mit der zweiten Tochter habe ich gelernt, dass ich mir bewusst Oasen der Ruhe einplanen muss und mit innerer und äusserer Ruhe mir Zeit nehme, in einer halben Stunden nur zwanzig Meter weit beim Spazieren zu kommen, da es soviel zu sehen gibt in der Natur. Sind die Mitglieder des Elternvereins und Sie selber auch sensibel genug, um von Aussenstehenden (Fachleuten) Tipps anzunehmen? Im heutigen Dschungel der Fachleute und Experten ist es manchmal schwierig, sich eine Meinung zu bilden. Denn fast zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie. Ich versuche immer auf mein „Bauchgefühl“ zu hören wenn ich einen Tip anhöre und suche für mich heraus was für uns als Familie stimmt. INTERVIEW: REGINA ERB www.elternverein-rheinfelden.ch

Basler Zeitung
26. Januar 2008
Regina Erb